Bewegungswissenschaft

Leiter:        Univ.-Prof. Dr. habil. Volker Zschorlich

Tel.:             0381/498-2746

E-Mail:        volker.zschorlich(at)uni-rostock.de


Auf der Suche nach dem motorischen Programm

Durch die Stimulation des motorischen Areals im Großhirn des Menschen fanden wir Hinweise dafür, dass bewusste Intentionen der Bewegungsausführung vorangehen und deren Richtung und Kraft vorgeben. Ohne Bewegungsintention hingegen lassen sich durch die gleichen schwachen Hirnstimulationen nur ungerichtete  Muskelzuckungen auslösen, die zudem zu schwach sind, um echte Bewegungen der Hand zu bewirken. Das Experiment liefert einen starken Hinweis dafür, dass eine bewusste Bewegungsintention bereits im Verlauf der Bewegungsvorbereitungsphase aufgebaut wird - und zwar vor der Bewegungsausführung. Unter unseren Versuchsbedingungen war es möglich zu zeigen, dass eine bewusste Intention vor einer Bewegung wahrzunehmen ist. Diese Tatsache wird aktuell sehr umstritten diskutiert (z.B. Wegner, D. M. The mind's best trick: how we experience conscious will Elsevier Science, 2003). Die Forschung zeigt einen neuen Ansatz auf dem Weg zum Verstehen des Zusammenhangs zwischen Willen und Handlung auf. Weitergehende Studien belegen allerdings, dass viele externe Einflüsse existieren, die die Motorik beeinflussen.

Ziel der Forschung ist zu zeigen, wie die Motorik des Menschen funktioniert. Wenn Menschen z.B. durch schwere Infarkte, Blutungen, Verletzungen oder degenerative Erkrankungen des Gehirns oder des Hirnstamms ihre Körperbewegungen nicht mehr  kontrollieren können und  mit der Umwelt nicht mehr kommunizieren können,  besteht die Herausforderung,  die Beziehung zwischen Intention und Bewegungsausführung  zu verstehen. Das ist der Weg, damit diese Patienten  irgendwann über technische Hilfsmittel sich wieder bewegen können. Das Experiment mit den Forschungsergebnissen ist im Wissenschaftsjournal „PLOS ONE“ unter dem Titel: „How Thoughts Give Rise to Action - Conscious Motor Intention Increases the Excitability of Target-Specific Motor Circuits“ veröffentlicht. (PDF)

Langfristiges Ziel ist es, die Grundlagen dafür zu erarbeiten, durch bewusste und absichtsvolle Gedanken hervorgerufene Hirnaktivität zielgerichtet z.B. in Steuersignale für technische Hilfsmittel umzuwandeln, damit bewegungseingeschränkte Patienten mit der Umwelt kommunizieren und einfache Handlungen selber auszuführen können. Weltweit sind bereits erhebliche Fortschritte auf diesem Gebiet gemacht worden, die Hoffnung ist jedoch, dass mit spezifischeren Erkenntnissen über motorische Programme und deren Repräsentation im Gehirn, die jetzt eingesetzte Technik deutlich zu verbessern.